Seit 2020 hat die Baubranche unruhige Zeiten und verschiedene Krisen durchgemacht. Bereits 2025 stieg die Zahl der Baugenehmigungen erstmals seit Jahren wieder, und zu Beginn des Jahres 2026 deutete sich eine weitere Stabilisierung an. Wie hat sich die Lage über den Sommer 2026 entwickelt, und womit ist für das kommende Jahr zu rechnen?
Bringt die steigende Zahl der Baugenehmigungen eine Kehrtwende im Bausektor?
Die Anzahl der Baugenehmigungen ist traditionell ein guter Gradmesser für den Bausektor. Sie lässt erkennen, ob die Auftragsbücher in naher Zukunft gut gefüllt sind oder ob eine Rezession droht.

| Zeitraum | Genehmigte Wohnungen | Entwicklung / Einordnung |
|---|---|---|
| 2022–2024 | stark rückläufig | Rückgang drei Jahre in Folge, besonders bei Wohngebäuden |
| 2024 | 215.900 | Tiefpunkt der Entwicklung |
| 2025 | 238.500 | +10,8 %, erstes Plus seit 2021 |
| 1. Halbjahr 2025 | 109.800 | Vergleichswert zum Vorjahr |
| 1. Halbjahr 2026 | 126.300 | +15,1 %, stärkster Zuwachs in einem ersten Halbjahr seit 2016 |
Diese Zahlen müssen jedoch in Relation gesehen werden. Zum einen bewegt sich die Zahl der Genehmigungen damit weiterhin nur auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2011. Zum anderen bedeutet eine Genehmigung noch keinen Baubeginn. 2025 erloschen 35.700 Baugenehmigungen, so viele wie seit 2002 nicht mehr. Der Beginn von baulichen Aktivitäten ist jedoch der wirklich relevante Aspekt für den Bausektor.
Wie entwickeln sich die Kosten im Bausektor?

Das führte zu einem generellen Preisanstieg in der Baubranche, der sich negativ auf die Auftragszahlen auswirkte. Die Entwicklung der Baukosten sowie externe Einflüsse auf die Lieferketten sind somit entscheidend für die Konjunktur im heimischen Bausektor. Zum Jahreswechsel 2025/2026 zeichnete sich zunächst eine Stabilisierung bei den Kosten ab. Die Energiepreise waren rückläufig, auch wenn sie weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau lagen, und die weltweiten Lieferketten hatten sich nach Jahren der Krise stabilisiert.
Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar 2026 und dem darauffolgenden Krieg wurde diese Entwicklung jedoch schon im Frühjahr gebremst. Der Iran sperrte die Straße von Hormus weitgehend für den internationalen Schiffsverkehr, und auch die Meerenge Bab al-Mandab ist durch die Eskalation im Jemen betroffen. Damit sind wichtige Lieferketten nach Europa bedroht und teilweise unterbrochen. Selbst wenn der Schiffsverkehr nicht beeinträchtigt ist, lassen die stark gestiegenen Versicherungsprämien die Transportkosten steigen.



Ein weiterer belastender Faktor sind die Treibstoffkosten, die ebenfalls mit dem Konflikt zusammenhängen. Nach Höchstständen im April und August wurde der September 2026 laut ADAC zum teuersten Tankmonat seit Beginn der Aufzeichnungen, mit durchschnittlich rund 2,27 Euro je Liter für Super E10 und rund 2,38 Euro für Diesel. Das belastet vor allem die Baubranche, denn der Transport von schweren und sperrigen Materialien benötigt Treibstoff. Dies wirkt sich am Ende auf die Gesamtbaukosten aus, die somit ebenfalls steigen.
Welche Faktoren hatten 2026 positive Effekte auf das Baugewerbe?
Das Jahr 2026 brachte eine Reihe von Faktoren, die positiv für die gesamte Bauwirtschaft sind. Zu nennen ist zunächst das Sondervermögen für Infrastruktur der Bundesregierung, das zusätzliche Gelder für Investitionen in öffentliche Infrastrukturprojekte bereitstellt. Bemerkbar macht sich dies vor allem im öffentlichen Bau. Damit ist dieser Bereich für einen großen Teil des Aufschwungs im Sektor verantwortlich.
Ein Grund für die Belebung lag zudem in der Stabilisierung der Gesamtwirtschaft zu Jahresbeginn. Die Zinssätze waren nach den Senkungen der Europäischen Zentralbank in den Vorjahren auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau stabil. Dies begünstigte Investitionen und erleichterte es privaten Bauherren, ihre Projekte zu realisieren. Für eine Beschleunigung bei den Baugenehmigungen soll zudem der sogenannte Bau-Turbo sorgen, der am 30. Oktober 2025 in Kraft trat. Kern ist der neue § 246e im Baugesetzbuch, ergänzt durch Änderungen in den §§ 31, 34 und 36a. Die bis Ende 2030 befristete Sonderregelung erlaubt es, mit Zustimmung der Gemeinde für den Wohnungsbau von planungsrechtlichen Vorgaben abzuweichen, auch ohne einen Bebauungsplan aufzustellen oder zu ändern. Gerade dieses Verfahren hat in den vergangenen Jahren Bauprojekte oft verzögert oder sogar komplett verhindert. Nicht selten vergingen mehrere Jahre, bis eine Gemeinde einen Bebauungsplan für einen Bereich erstellt hatte.
Ist mit einem langanhaltenden Aufschwung im Bausektor zu rechnen?

Sollten die Energiepreise also weiterhin steigen oder auf einem hohen Niveau verharren, dann ist es wahrscheinlich, dass sich die Belebung im Bausektor wieder abkühlt. Entscheidend sind zudem die Entwicklungen an den Finanzmärkten. Steigende Zinsen bremsen Bauprojekte, da die Finanzierung oft unrentabel oder unmöglich wird. Wegen der gestiegenen Inflation hat die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen 2026 bereits zweimal angehoben: im Juni und im September um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Seit dem 16. September 2026 liegt der Einlagesatz bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Damit sind die Leitzinsen zwar noch weit entfernt von den Höchstständen der jüngeren Vergangenheit, doch weitere Anhebungen sind nicht ausgeschlossen, und jeder Zinsanstieg bremst Investitionen.
Die Politik verfügt ebenfalls über Möglichkeiten der Steuerung. Aus diesem Grund fordert der Zentralverband Deutsches Baugewerbe, dass die Regierung möglichst schnell den vereinfachten Gebäudetyp E etabliert. Dieser soll durch vereinfachte Bauvorschriften die Kosten senken und die Hürden in der Bauplanung reduzieren. Ebenso könnten weitere Förderprogramme und ausreichend bereitgestellte Mittel über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für einen Aufschwung im Bausektor sorgen.
Es gibt aber auch positive Anzeichen für das Jahr 2027. Durch die gestiegene Zahl der Baugenehmigungen sowie die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur ist damit zu rechnen, dass im Frühjahr 2027 verstärkt Bauprojekte starten. Das DIW erwartet für 2027 ein Wachstum des Bauvolumens um 3,4 Prozent. Damit sind Neuaufträge vorerst gesichert.